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Posts Tagged ‘Andrew Keen’

Nein, ausnahmsweise waren es mal nicht die Schweizer. Andrew Keen, selbsternannter führender Internetkritiker, sieht im Web 2.0 das Werkzeug zur Verdummung der Massen. Teufelswerk!

Seiner Meinung nach sorgen Blogs, Wikis, all die Videoclipseiten und sogar Amateurpornos nicht nur dafür, dass jeder dahergelaufene Depp Dilettant seinen unqualifizierten Senf seinen möglicherweise nicht qualifizierten Content zu jedem x-beliebigen Thema ungefiltert abgeben darf (so wie ich gerade) und damit vielleicht seine Unwissenheit auf andere (das seid vielleicht ihr) überträgt, sondern auch dafür, dass „bewährte Experten“ auf der Straße landen und gemeinsam mit den unzähligen durch die Finanzkrise hervorgebrachten Rezessionsvegetariern Hunger leiden müssen.

In seinen Aussagen kann man unter anderem den Wunsch nach Regulierung erkennen, aber wie diese Peer-Reviews aussehen könnten und wer die oberste moralische Kontrollinstanz sein sollte, darauf geht er nicht ein. Warum auch, denn wie soll das bei  zig Millionen Blogs überhaupt möglich sein? Vielleicht gemäß der chinesichen Methode?

Aber Keen ist nicht der Erste, der die Qualität von Blogs kritisiert. Bereits im Jahr 2005 stellte Michael Gorman – damals Vorsitzender der Americal Library Association – ebenfalls fest, dass Blogs von nur minderer Qualität sein können, weil u. a. vor Veröffentlichung von Artikeln eben keine Prüfung durch qualifizierte Redakteure vorgenommen wird. Auch im Buch „Generation Doof“ von Anne Weiss  und Stefan Bonner ist beim Thema Blogs die Rede von der „ungefilterten und langweiligen Dummheit der Masse“.

Welchen Anspruch ein Blogger überhaupt verfolgt und welche Zielgruppe erreicht werden soll, das scheint  nebensächlich zu sein, Hauptsache der Inhalt ist qualitativ hochwertig.

Falls man dann auf einem dieser „unschönen“ bzw. inhaltlich anspruchslosen Blogs landet, wer hindert einen eigentlich daran, das Gleiche wie beim Fernsehen zu tun und einfach um- oder auszuschalten? Oder ist die ganze Diskussion nicht sowieso überflüssig, weil uns das Fernsehen schon längst verblödet hat?

Natürlich gibt es auch Blogs, die falsche Informationen verbreiten, vielleicht auch in böswilliger Absicht. Letztendlich spricht Keen uns aber die Fähigkeit ab, richtige von unrichtigen Informationen unterscheiden zu können. Und dass Peer-Review sowie Expertenwissen auch keine Fehler verhindern, kann man beispielsweise anhand der Fehler in der Encyclopædia Britannica erkennen.

Ich empfehle bei Gelegenheit einmal einen Blick in das Buch „Das Ende der Schublade: Die Macht der neuen digitalen Unordnung“ von David Weinberger zu werfen. Dort ist die inhaltliche Qualität im Web 2.0 auch ein Thema. Weinberger vertritt hierzu jedoch eine andere Meinung als Keen: Information  kann ruhig ungefiltert sein, denn eben die Menge an ungefilterten Informationen im Web ermöglicht es jedem Einzelnen, sich  zu einem Thema ein Gesamtbild zu machen und somit diese Informationen zu Wissen zu  bündeln.

Wie schon Marcel Reich-Ranicki erst kürzlich mit seiner Aktion zum Thema Qualität im Fernsehen nichts erreicht hat, wird auch das Geschrei von Andrew Keen bald vergessen sein.

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